Argumentationsrichtung »Abwehr«

In den nächsten Artikeln werden folgende Themen behandelt:

  • Argumentieren auf der Metaebene
  • Techniken gegen Querschläger und KiIlerphrasen
  • Auch »Nein« sagen will gelernt sein
  • So kontern Sie leicht gegen Pauschalvorwürfe

Es gibt vorwürfe, die schlagen so weit über Stränge, da gibt es nichts mehr zu diskutieren und zu argumentieren. In diesen Fällen brauchen Sie gute Strategien um einen Störer zu isolieren, ihn zu maßregeln oder in aller Entschiedenheit einen Inhalt richtig zu stellen. Solche Techniken finden Sie in diesem Kapitel.

 

Wie reden wir miteinander? – Die Metaebene

In jedem Gespräch finden Sie zwei Ebenen, auf denen Sie argumentieren können. Zunächst einmal reden wir die meiste Zeit auf der Sachebene, das heißt wir reden über das eigentliche Thema. Auf dieser Ebene reden Sie über Zahlen, Daten, Fakten und erwägen das für und wider. Kurz: Sie tauschen die Sachargumente aus.

Es gibt allerdings noch eine weitere Ebene,  auf der Sie immer argumentieren können. Diese nennen wir die Metaebene. Auf der Metaebene einigen wir uns, wie wir miteinander kommunizieren, zum Beispiel auf welche Art und welchem Tonfall. Auf der Metaebene können wir uns auch darüber einigen, welches Vorgehen wir wählen, um ein Problem zu lösen.

 

Abbildung: Die Metaebene der Kommunikation

Abbildung: Die Metaebene der Kommunikation

Bei dem Appell an die Meataebene gehen Sie nicht auf das angesprochene Thema ein, sondern sprechen an in welcher Form – also wie höflich miteinander geredet wird. In der Regel wird Ihnen Ihr Gesprächspartner folgen und danach wieder einen ruhigeren Ton anstimmen. Hier ein paar Beispiele:

 

»Du bist ein Idiot!«

»Na, so wollen wir doch nicht miteinander reden, oder?«

 

»Sie sind doch vollkommen unfähig.«

»Bitte bleiben Sie doch sachlich.«

 

Fast überall, wo miteinander geredet wird, existieren Regeln, wie Menschen miteinander umgehen wollen. Manchmal sind diese explizit vereinbart wie zum Beispiel in Unternehmen oder in Instituten. Dann können Sie dies direkt ansprechen:

 

»Sie haben ja keine Ahnung wovon Sie reden!«

»Herr Schubert, das ist doch nicht der Ton, wie wir hier miteinander kommunizieren wollen.«

 

In anderen Fällen gibt es zumindest eine implizite Vereinbarung wie miteinander zu reden ist. Diese Form der Vereinbarung finden Sie in allen Gemeinschaften, in denen sich Menschen bewegen. Sie sind beide Mitglied in der Kirche? Sprechen Sie das an. Sie sind beide im gleichen Verein? Ebenso geeignet. Sind Sie Nachbarn, Eltern von Schülern der gleichen Klasse, Einwohner des gleichen Ortes? Irgendeine gemeinsame Ebene gibt es immer, wenn zwei Menschen miteinander reden. Diese Ebene können Sie dann auch ansprechen. Wichtig ist, dass Sie klarmachen, dass Sie mit dieser Ebene bestimmte Erwartungen verknüpfen,  in welcher Art Menschen mit dieser Gemeinsamkeit miteinander reden sollten. Die gemeinsame Ebene schlägt bei allem Zwist noch die Brücke der Gemeinsamkeit zu Ihrem Gesprächspartner.

 

»Du Knallfresse!«

»Das hat aber nicht das Niveau eines Gymnasiasten!«

 

»Sie sind ein Klugscheißer!«

»Diese Äußerung ist für ein Mitglied unseres Vereins unwürdig.«

 

Wenn jemand über die Stränge schlägt, können Sie die Sprache auf die Metaebene bringen. Sprechen Sie über die Art, wie man miteinander redet. Sprechen Sie dabei auch Gruppenzugehörigkeiten an, die Sie mit Ihrem Gesprächspartner verbinden.

 

Formulierungen für den Appell auf der Metaebene

  • Mit diesen Sätzen können Sie gut auf der Metaebene argumentieren:
  • »Bitte bleiben Sie sachlich.«
  • »Das ist nicht unser Niveau, Herr XY.«
  • »Bei allem Respekt, ich glaube, Sie vergreifen sich im Ton.«
  • »Dies ist nicht die Art, wie wir hier miteinander reden wollen. Bitte kommen Sie auf das Niveau zurück, das wir hier alle gewohnt sind.«

 

Zum Sprecher der Gruppe mit »Wir alle« – Tipps für Besserwisser

  • Wissen Sie, welche Strafe im Mittelalter die schlimmste aller Strafen war? Sie glauben die Todesstrafe? Weit gefehlt. Damals war die höchste Strafe, die man einen Menschen zuteil werden lassen konnte, die Verbannung. Die Verbannung bedeutete, dass der Bestrafte sein Dorf oder seine Stadt und damit den gesamten sozialen Verband (Familie, Nachbarn, Bekannte) verlassen musste. Eine Rückkehr war nicht erlaubt. Dieser soziale Verband war damals die Absicherung eines Menschen im Falle von Krankheit oder auch die Altersversicherung. Daher war die Strafe so gefürchtet.
  • Auch heute ist uns die Gruppenzugehörigkeit wichtig. Die Ausprägung ist sicher nicht mehr so groß wie die Furcht vor der Verbannung im Mittelalter, aber es ist uns wichtig, dazu zu gehören. Dieses Phänomen können wir auch für kluge Konter ausnutzen. 
Verbannung hießt: kein Zugang zur Stadt mehr, die größte Strafe. Foto: Patrycja Lorenz-Bol / pixelio.de

Verbannung hießt: kein Zugang zur Stadt mehr, die größte Strafe. Foto: Patrycja Lorenz-Bol / pixelio.de

 

  • »Das ist nicht die Art, wie wir hier miteinander reden wollen. Bitte kommen Sie auf das Niveaus zurück, das wir hier alle gewohnt sind.«
  • In diesem Konter steckt ein rhetorischer Kniff. Wenn Sie die Formulierung »wir hier« oder »wir alle« wählen, dann machen Sie sich damit zum Sprecher einer gesamten Gruppe. Sie verdeutlichen demjenigen, der über die Stränge schlägt, dass er mit seinem Verhalten alleine steht und alle anderen eine andere Meinung dazu haben. Damit ist der Störer in diesem Moment isoliert. Er gehört nicht mehr zu der Gruppe. Diesen Zustand mögen wir Menschen nicht sehr gerne, zwar möchte jeder als Individuum wahrgenommen werden, aber wir möchten auch immer dazugehören. Es ist uns unangenehm, wenn wir als Außenseiter betrachtet werden. Deshalb ist diese Technik sehr hilfreich, denn Sie bringen damit einen Störer in eine unangenehme Lage. Ihm wird klar, dass er sein Verhalten ändern muss, wenn er weiter zur Gruppe gehören möchte.

 

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