Das Problem mit Warum-Fragen

Alle Fragen, die mit »Warum …« beginnen, haben großes Potenzial Sie in den Rechtfertigungs-Modus zu bringen:

 

  • Die Tür schlägt auf. Der Chef kommt herein. Wutschnaubend wendet er sich an Herr Sperre: »Warum ist der Fehler im Auftragsmodul noch immer nicht behoben?« Herr Sperber schluckt und stammelt dann: »Äh, weil ich noch auf die E-Mail mit der Kalkulation warten musste und dann ist mein PC ausgefallen, da konnte ich nicht arbeiten. Als unsere IT-Abteilung den wieder in Stand gesetzt hatte, fiel mir auf, dass … «

Fühlt sich nach dieser Arie irgendjemand besser? Wohl nicht. Der Chef ist seinem Auftragsmodul nicht näher gekommen und Herr Sperber hat nur Minuspunkte gesammelt.

→ Warum-Fragen zu Problemen richten den Blick in die Vergangenheit. Sie suchen nach Gründen, Ursachen und Schuldigen. Daher haben wir eine sehr große Tendenz, uns bei der Antwort zu rechtfertigen. Das ist eine instinktive Schutzreaktion auf den Angriff, der in der Warum-Frage steckt.

 

  • »Warum ist der Bericht immer noch nicht fertig?« – »Ich kann nichts dafür. Herr Seipelt aus dem Marketing wollte mit doch noch Zahlen zukommen lassen, die habe ich nicht bekommen.«

 

Solche Antworten machen Sie klein. Es klingt ganz gewaltig nach einer Ausrede. So gut Ihre Argumente auch sein mögen, der Fragesteller wird Sie als jemanden wahrnehmen, der sich vor der Verantwortung drückt.

→ Ändern Sie die Perspektive. Antworten Sie auf Warum-Fragen zunächst mit einer Lösung. Stellen Sie in Aussicht, bis wann Sie eine Lösung haben.

 

  • »Warum ist der Bericht immer noch nicht fertig?« – »Ich bin am letzten Abschnitt und lege Ihnen den Bericht um 18:00 Uhr vor.«

Ich höre schon, wie einige von Ihnen sagen: »Na, damit wird sich mein Chef nicht zufrieden geben.« Probieren Sie es aus. Sie werden merken, dass die Strategie weit besser greift, als Sie beim ersten Lesen glauben. Warum fragt der Chef denn nach dem Bericht? Die Antwort ist ganz einfach: Er braucht ihn für seine Arbeit oder er trägt die Verantwortung dafür. Eigentlich möchte er gar nicht wissen, welche Ursachen dazu geführt haben, dass dieser nicht vorliegt. Er möchte wissen, wann er diesen Bericht bekommt.

Natürlich hat er ein Recht drauf zu erfahren, welche Gründe dahinter stecken. Wenn der Chef darauf besteht, dann sagen Sie es ihm. Aber stellen Sie zunächst die Lösung in Aussicht und machen Sie deutlich, dass Sie dabei sind, das Problem zu lösen.

Argumentieren Sie lösungsorientiert, schlagen Sie einen Zeitpunkt vor, an dem Sie den Bericht abgeben werden. Foto: La-Liana / pixelio.de

Argumentieren Sie lösungsorientiert, schlagen Sie einen Zeitpunkt vor, an dem Sie den Bericht abgeben werden. Foto: La-Liana / pixelio.de

One thought on “Das Problem mit Warum-Fragen

  1. Paul sagt:

    Wenn unser Chef fragt wieso ich noch nicht fertig bin dann sage ich ihm auch am liebsten ich bin morgen fertig.
    Der Chef fragt das ja nicht um dann mit genau so viel Wissen zu gehen wie er gekommen ist.

    Paul

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.