Der böse Löwenzahn

Löwenzahn ist eine Pflanze, die sich in unseren Breitengraden sehr hartnäckig ausbreiten kann. Was ist Löwenzahn für Sie? Wenn Sie einen eigenen Garten besitzen oder Rasenflächen pflegen müssen, werden Sie wahrscheinlich sagen: »Löwenzahn ist ein widerliches Unkraut.« Das ist nachvollziehbar. Der gewöhnliche Löwenzahn ist als Pflanze äußerst hartnäckig und anpassungsfähig. Wenn er seine Pfahlwurzel in der Erde verankert hat, ist Löwenzahn nur dann zu auszumerzen, wenn die Wurzel komplett aus der Erde entfernt wird. Bleibt ein kleines Stück stecken, treibt die Pflanze wieder aus. Kein Wunder, dass diese Pflanze zu den Unkräutern gezählt wird, manche Gärtner bezeichnen den Löwenzahn daher auch als »Rasenpest«.

Gibt es auch andere Sichtweisen? Sicher: Kinder erfreuen sich im Mai an üppig gelb blühenden Wiesen, »voller Hundeblumen«. Bienenzüchter lieben die Blüten des Löwenzahns als Frühnahrung der Bienen, die diese in einen Honig mit kräftigem Aroma verwandeln. Falls Sie eine naturnahe Ernährung lieben, können Sie junge Löwenzahnblätter zu einem gesunden Salat verarbeiten, selbst die Blüten sind essbar und können zu Sirup verarbeitet werden. Angeblich kann man aus den getrockneten Wurzeln auch ein Kaffee-artiges Getränk brauen. Züchter von Hasen und Schildkröten lieben den Löwenzahn als schmackhafte und vitaminreiche Nahrungsquelle für ihre Tiere. Manche pflanzen deshalb bewusst Löwenzahn in den eigenen Garten. – Sie sehen, für ein »Unkraut« hat der Löwenzahn doch einiges zu bieten.

Foto: Wolfgang Weichenmeier /pixelio.de

Ob Sie selbst den Löwenzahn als Unkraut oder nützliche Wildpflanze bezeichnen, hängt davon ab, wie Sie ihn betrachten. Ist der Löwenzahn günstig oder ungünstig für Ihre eigenen Ziele? Dem Gärtner steht er dem Ziel im Weg, gepflegte Beete und einen üppig grünen Rasen ohne störenden Wildwuchs zu präsentieren, daher ist es für ihn ein Unkraut. Für Tierhalter ist er eine wertvolle Nahrungsquelle.

So wie wir dazu neigen, dem Löwenzahn ein Attribut zuzuordnen, geht es uns mit fast allem, was uns in unserem Leben begegnet. Wir bezeichnen Tiere mit Attributen: Ein Hund ist der nützliche Freund des Menschen, ein Rind ein wertvolles Nutztier, eine Wanze ein ekelhafter Parasit. Die Tiere sind nur neutrale Tiere. Erst unsere Bewertungen unterteilen sie in gut oder schlecht. So ergeht es uns auch mit Ereignissen – unmittelbar ordnen wir diesen eine eigene Bewertung zu.

Wenn Sie am Nachmittag zu einer Grillparty im Garten eingeladen haben und es beginnt bereits um die Mittagszeit zu regnen, werden Sie den Regen wahrscheinlich verfluchen. Es sind aber nur unschuldige Tropfen, die vom Himmel fallen. Ihre Bewertung macht sie  zum »Sch…regen«.

Auch eine »gute« oder »schlechte Nachricht« bedeutet nur, dass wir diese Nachricht in die eine oder andere Richtung bewertet haben. Wenn sich zwei Forschungsleiter an einer Universität um ein Budget bewerben und einer bekommt den Zuschlag, ist das Ereignis für einen Außenstehenden neutral, für den einen Projektleiter positiv, für den anderen negativ. Das Ereignis an sich ist wertneutral.

Wir bewerten Ereignisse danach, ob sie für unsere eigenen Ziele förderlich sind oder diesen im Weg stehen.

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