Drehen Sie den Vorwurf ins Positive – Techniken des Uminterpretierens

Freuen Sie sich jetzt noch auf eine Reihe äußerst wirksamer Techniken, die sehr entwaffnend für eine Angreifer sein können. Häufig enthalten Vorwürfe Kritik an einer Eigenschaft. Dies kann eine persönliche Eigenschaft sein, die uns peinlich ist oder die negativ ausgelegt wird, wie zum Beispiel die Vorwürfe »Sie sind zu detailverliebt.« oder  »Du bist einfach nicht teamfähig.« Eine andere Möglichkeiten sind kritische Anmerkungen zu Eigenschaften eines Produktes, eine Projektes oder generell an irgendeinem Vorgehen. Dann hören wir vielleicht einen Satz wie: »Das ist aber teuer.«

Mit den folgenden Techniken machen Sie sich die Tatsache zu Nutze, dass Sie so gut wie jedes Wort in verschiedener Art und Weise auslegen können. Ein Vorwurf hat häufig ein Wort zum Inhalt, das Ihnen, Ihrem Vorschlag oder Produkt etwas Negatives unterstellt. Sie müssen die negative Interpretationsrichtung des Angreifers jedoch nicht gelten lassen. Geben Sie dem Vorwurf eine eigene, für Sie vorteilhafte Interpretation. Wie das funktioniert, erfahren Sie jetzt.

 

 »Wenn … bedeutet …«-Technik

Es gibt Vorwürfe, bei denen uns jemand ein negatives Attribut zuschreibt. Diese sind häufig sehr unangenehm und schwer zu parieren, denn in der Regel ist an der Eigenschaft ein Kern Wahres. Daher ist es äußerst schwierig, mit Gegenargumenten den Vorwurf entwerten zu wollen. In diesem Fällen hilft die »Wenn… bedeutet…«-Technik.

Herr Jacobs ist genervt. Kollege Fischer hat schon wieder Einwände gegen den nächsten Projektschritt geäußert. Ärgerlich sagt er:

»Herr Fischer, Sie sind nicht pragmatisch!«

Fischer kontert: »Wenn ›nicht pragmatisch‹ bedeutet, dass ich die Dinge gern sorgfältig durchdenke und dadurch Fehler vermeide, ja, dann gebe ich Ihnen recht.«

 

Diese Technik eignet sich wunderbar für alle Vorwürfe, bei denen Ihnen der Angreifer einen Stempel aufdrücken will. In diesem Fall ist der Stempel die Eigenschaft nicht pragmatisch. Diese Art zu antworten gibt Ihnen eine Möglichkeit, dem Attribut eine neue Definition zuzuweisen, die für Sie günstig ist.

Anschließend bestätigen Sie sogar noch die Aussage des Angreifers, allerdings in der neuen, für Sie positiven Bedeutung. Das wirkt extrem beeindruckend auf alle Zuhörer.

  • Sie müssen einen Vorwurf nicht in der negativen Interpretation des Angreifers akzeptieren. Geben Sie einem Vorwurf eine neue für Sie vorteilhafte Bedeutung. Sie fragen sich dafür: Was ist an dieser Eigenschaft positiv, wo liegt der Vorteil, welchen Nutzen hat diese Eigenschaft?

 

Im Beispiel bedeutet nicht pragmatisch: sorgfältig und Fehler vermeidend.

Das funktioniert mit weit mehr Vorwürfen, als Sie vielleicht meinen. Fast jedes Wort in der deutschen Sprache lässt sich in verschiedener Bedeutung auslegen.

»Sie sind arrogant!«
»Wenn arrogant bedeutet, dass ich meine Ziele verfolge und mich durchsetze, ja dann gebe ich Ihnen recht, dann bin ich arrogant.«

»Sie sind nicht kooperativ!«
»Wenn nicht kooperativ bedeutet, dass ich mir einen eigene Meinung bilde und nicht jedem Vorschlag unreflektiert zustimme, dann bin ich nicht kooperativ.«

Eigenschaften, bei persönlichen Vorwürfen, typischerweise aus dem sogenannten Soft-Skill-Bereich, lassen sich besonders gut von einer anderen Sichtweise aus betrachten. Schwerer ist es mit Angriffen, die sich auf konkrete Fakten beziehen. Der Vorwurf »Du bist unpünktlich!« zu Beispiel, basiert auf einer Tatsache. Eine Verabredung oder ein Gesprächstermin der beispielsweise  um 10 Uhr angesetzt war, wurde nicht eingehalten. Natürlich können wir hier auch noch eine Uminterpretation finden, diese muss dann mehr auf die Rahmenbedingungen abzielen als auf den eigentlichen Fakt.

»Sie sind unpünktlich!«
»Wenn unpünktlich bedeutet, dass ich jede Minute meiner Arbeitszeit produktiv ausnutze, und mir daher erlaube zu Meetings etwas später zu erscheinen, die in dieser Firma sowieso immer erst 15 Minuten nach der vereinbarten Zeit beginnen, ja, dann gebe ich Ihnen Recht.«

Sie merken schon, hier begeben wir uns auf ein Nebengleis, denn gegen den Vorwurf auf der Hauptstrecke können wir nichts einwenden. Die Tatsache, dass man zum Meeting zu spät erschienen ist, ist faktisch belegbar und lässt sich nicht umdeuten. bei solchen Vorwürfen greifen Sie daher bevorzugt zu anderen Techniken, eine Möglichkeit wäre hier das unerwartete Zustimmen, das Sie in finden.

Uminterpretationen können Sie besonders gut bei Eigenschaften vornehmen, bei denen es verschiedene Meinungen geben kann. Bei Vorwürfen, die sich auf nachprüfbare Fakten beziehen, greifen Sie zu anderen Techniken.

 

Sehen Sie Himmel oder Wasser? Eine Frage der Interpretation. Foto: Marvin Siefke / pixelio.de

Sehen Sie Himmel oder Wasser? Eine Frage der Interpretation. Foto: Marvin Siefke / pixelio.de

One thought on “Drehen Sie den Vorwurf ins Positive – Techniken des Uminterpretierens

  1. Lan Phien Pham sagt:

    Danke für diesen tollen Artikel! Ich kannte diese Schlagfertigkeitstechnik auch, allerdings unter einem anderen Namen, nämlich Dolmetscher-Technik. Sie ist ziemlich universell. Übrigens bin ich der Meinung, dass man selbst bei faktischen Vorwürfen positiv uminterpretieren kann, z.B.:
    „Sie sind unpünktlich!“
    „Ja genau, ich kann dann länger im Bett bleiben!“
    Die Grenzen dieser Technik sind erst bei schweren Vorwürfen erreicht wie „Kampfhenne“ oder „Volltrottel“.

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