Für immer raus aus der Sprachlosigkeit: Fragetechniken

„Ob ein Mensch klug ist, erkennt man viel besser an seinen Fragen als an seinen Antworten.“ 

– Francois G. de Levis

 

Anfang 2012 ergoss sich der Spott der Internetgemeinde über die Leiterin des ZDF-Hauptstadtbüros, Bettina Schausten. Frau Schausten bekam reihenweise Übernachtungseinladungen. Was war passiert?

Der damalige Bundespräsident Christian Wulff war durch allerlei Vorkommnisse in die öffentliche Kritik geraten. Am 04.01.2012 stellte er sich in eine Fernseh-Interview den Fragen der Journalisten Ulrich Deppendorf und Bettina Schausten. Als er von Bettina Schausten zu dem Vorwurf befragt wurde, dass er bei Freunden in industriellen Führungspositionen Urlaub gemacht habe, sagte Wulff:

»Da erhebe ich auch keine Rechnung, wenn mich die Freunde hier in Berlin besuchen.«

Schausten: »Hm, aber da hätten Sie ja auch sagen können, ich gebe Euch mal pro Nacht 150 €, was spricht dagegen?«

Wulff konterte: »Machen Sie das bei Ihren Freunden so?«

Sie antworte: »Ja.«

 

Bettina Schausten war in die Falle einer Gegenfrage getappt und sah in Folge den Witzeleien des Internets ausgesetzt. Mit Anspielung auf die GEZ-Gebühren fragten die User dort: »150 Euro die Nacht? Wir dachten, Bettina Schausten kostet 17,96 Euro im Monat?«

Wenn man mit Fragen selbst gewiefte Journalisten in die Falle laufen lassen kann, lohnt es sich, einen näheren Blick darauf zu werfen. Tatsächlich gehören Fragen mit zu den stärksten Techniken der Schlagfertigkeit und werden Ihnen gute Dienste leisten – selbst wenn Sie nicht gerade als Bundespräsident in die Mangel genommen werden.

In früheren Artikeln haben Sie bereits gesehen, dass sich die Kommunikation über Fragen steuern lässt. Fragen lösen in uns einen Antwortreflex aus, dem wir fast immer ohne weitere Reflexion folgen. Diese Möglichkeit sollten Sie auch für sich nutzen können, wenn Sie in die Klemme geraten oder sich auch einfach nur Zeit verschaffen müssen, bis ihnen die richtige Antwort einfällt.

Wenn Sie Fragetechniken ein wenig trainiert haben, dann wird es Ihnen erheblich leichter fallen, auch in brenzligen Gesprächen die Oberhand zu behalten. Angenommen, Sie bekommen einen Vorwurf zu hören oder jemand stellt eine kritische Frage, die Sie nicht gleich beantworten wollen, dann kontern Sie einfach mit einer eigenen Frage.

Fragen funktionieren auch als Ablenkungsstrategie. Statt auf den Vorwurf des Angreifers einzugehen, stellen Sie eine Frage, die auf ein anderes Thema verweist. Ihr Gegenüber wird in den meisten Fällen dem Antwortreflex folgen und die Frage beantworten. Sie bringen sich dadurch aus der Rolle des Verteidigers in die Rolle desjenigen, der das Gespräch lenkt.

  • Nutzen Sie Fragen als geschickten Konter!

 

Standard-Gegenfragen, die Sie benutzen können um hartnäckige Frager abzuwehren, haben Sie bereits in einem früheren Artikel kennen gelernt. Weiterhin kennen Sie die Lösungsfrage als sehr starke Technik. Fragen können Sie genauso gut anwenden, um Zeit zu gewinnen und mehr über die Hintergründe des Fragenstellers zu erfahren. In den folgenden Abschnitten zeige ich Ihnen weitere, spezielle Fragetechniken.

Das Geniale an dieser Technik ist: Egal wir überraschend Sie ein Vorwurf trifft, egal wie hart sie der Angriff trifft, Sie brauchen niemals mehr sprachlos zu werden. Eine Frage können Sie immer an ihr gegenüber richten. Egal wie hart die Umstände gerade sein sollten, irgendetwas wird ihn immer einfallen was sie gegenüber aufgrund des Vorwurfs fragen können. Auf diese Weise Bleiben Sie im Gespräch und sie gewinnen zunächst Zeit bis sie eine geschickte Antwort parat haben.

Alle Fragetechniken nutzen den Antwortreflex aus. Wenn wir Menschen eine Frage gestellt bekommen, dann wollen wir unmittelbar antworten. So ergeht es auch Ihrem Angreifer. Mit einer Frage bringen Sie zunächst ihn dazu, eine Antwort auf Ihre Frage zu finden. Das wirkt sich für Sie enorm entlastend aus.

Die eine Frage zur richtigen Zeit kann ein wichtiger Schlüssel sein. Foto: Claudia Brefeld / pixelio.de

Die eine Frage zur richtigen Zeit kann ein wichtiger Schlüssel sein. Foto: Claudia Brefeld / pixelio.de

 

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