Sie haben keine Lösung? Verweisen Sie auf die Zukunft!

Wenn Sie eine konkrete Lösung vorschlagen können oder Ideen und Anregungen haben, die zu eine Lösung führen können, dann sollten Sie diese immer äußern. Es gibt allerdings auch Situationen, in denen Sie noch keine konkreten Vorstellungen haben, wie eine Lösung aussehen kann. Es kann auch Situationen geben, in denen Ihre Gesprächspartner noch zu sehr im Modus der Vorwürfe feststecken. Auch für diese Situationen möchte ich Ihnen passende Strategien zeigen.

Als ich noch als Consultant arbeitete, erlebte ich Folgendes:

Ich war bei einem Weltkonzern als Projektleiter eingesetzt. Das IT-System für die Bilanzerfassung, das unser Team betreute, fiel ausgerechnet zur Zeit der Quartalserfassung aus. Eine sehr brisante Situation für unser ganzes Team. Schließlich galt die Anwendung als »unternehmenskritisch« und »unternehmenskritisch« bedeutet, dass Sie als externer Berater sehr schnell unter Druck geraten, wenn Probleme auftreten. Die gesamte Konzernzentrale war äußerst angespannt, es ging schließlich darum, Termine für die Veröffentlichung der Bilanzdaten einzuhalten.

Der Beauftragte der Controlling-Abteilung, Herr Reinlich, kam auf mich zu und sagte: »Ich will sofort wissen, wer den Fehler verursacht hat.«

Ich antwortete: »Herr Reinlich, ich kann Ihren Ärger verstehen. Wir arbeiten mit dem gesamten Team an der Lösung. Wir alle sollten uns jetzt darauf konzentrieren. Um die Ursachenfrage können wir uns später kümmern.«

Auch diese Antwort folgt wieder dem schon bekannten Prinzip: Wenn ein Problem aufgetreten ist, wenn Sie beschuldigt oder bedrängt werden, dann versuchen Sie als Allererstes, mit einer Lösung zu kontern. Selbst wenn Sie denken »Mein Gott, die Karre steckt tief im Dreck. Ich habe keine Ahnung wie wir da herauskommen!«, dann gehen Sie trotzdem diesen Weg. Er erspart Ihnen eine Menge Ärger.

Dieses Beispiel zeigt noch eine weitere Variante der Lösungsstrategie. In diesem Fall bringen Sie die Gesprächspartner auf dem Pfand der Lösungsfindung, ohne selbst eine konkrete Lösung nennen zu können. Sie stellen nur in Aussicht, eine zu produzieren. Je verbindlicher Sie das machen, desto überzeugender sind Sie.

  • Stellen Sie eine Lösung in den Mittelpunkt Ihrer Antwort. Die Lösung kann in der Zukunft liegen. Ideal ist es, wenn Sie dabei einen verbindlichen Termin angeben können. Dann müssen Sie diesen aber auch unbedingt einhalten.

 

Dieses sollte Ihre bevorzugte Strategie für Konflikte und kritische Einwürfe sein. Leider wird sie viel zu selten angewandt. In den meisten Fällen beschuldigt eine Seite die andere und das Gespräch verliert sich in Erklärungen der Ursachen. Das hilft niemanden und kostet alle Gesprächspartner unnötig Zeit. Bitte bringen Sie sich ab jetzt konsequent auf den Pfad der Lösungsfindung. Eine Erklärung geben Sie nur dann, wenn Ihr Gegenüber unbedingt darauf besteht, die Gründe zu erfahren.

Herbert Schreiber war Projektmanager. Nachdem es einige Probleme im Projekt gab, stand er mal wieder im Entscheidergremium und musste Rede und Antwort stehen. Der Leiter der Finanzabteilung, Herr Wirsing, traf mal wieder einen wunden Punkt: »Sie haben uns jetzt sehr ausführlich den neuen Plan vorgestellt, das Problem mit der abteilungsübergreifenden Kommunikation haben Sie allerdings noch nicht gelöst.«  Herr Schreiber stutzte für einen Moment. Tatsächlich hatte er dafür noch keine Lösung zu bieten. Eine kritischer Moment, dann antwortete er: »Sie haben Recht. Wir haben uns zunächst auf akute Probleme konzentriert, die das größte Risiko für unser Projekt darstellten. Nachdem wir diese im Griff haben, können wir uns jetzt auch weiterer Aufgaben annehmen. Die übergreifende Kommunikation wird dabei höchste Priorität haben.«

Das wirkt sehr souverän, nicht wahr? Obwohl Herr Schreiber noch keine konkrete Lösung anbieten kann, verweist er einfach auf die Zukunft und gibt somit zu verstehen, dass er eine klare Priorisierung seiner Aufgaben vorgenommen hat, und dieses eine Problem zwar noch nicht bearbeitet wurde, er es aber immer noch im Blick hat.

Wenn Sie die Lösungsstrategie anwenden, wird Ihr Gegenüber sehr viel milder gestimmt werden, als wenn Sie sich rechtfertigen. In vielen Fällen ist unser Denken so sehr von Vorwürfen und Rechtfertigungen geprägt, dass wir vergessen, Lösungen zu produzieren.

  • Hören Sie auf, sich zu rechtfertigen. Rechtfertigungen bringen niemanden weiter. Konzentrieren Sie sich auf die Lösung des Problems.

Natürlich möchte ich niemanden davon abhalten, eine Situation zu analysieren und aus Fehlern zu lernen. In den meisten Fällen rechtfertigen Sie sich aber, um jemand anderem zu zeigen, dass es eigentlich nicht so schlimm ist oder dass etwas oder jemand anderes Schuld an der Misere hat. Sie machen sich damit zum Opfer. Aus dieser Rolle möchte ich Sie herausholen.

Lernen Sie aus Ihren Fehlern und begehen Sie diese niemals zweimal. Die Diskussion um Ursachen führt Sie aber nur dann weiter, wenn Sie sie tatsächlich führen, um zukünftige Fehler zu vermeiden. Hinter jeder Diskussion um Fehler der Vergangenheit sollte immer der Gedanke stecken »Was können wir tun, damit das nicht noch einmal passiert.«

 

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

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