Stilvoll umformulieren

Ich bin das lebende Beispiel dafür, dass das Gehirn kein Blut braucht, um zu funktionieren.

Al Bundy

Hat sie das Zitat zum schmunzeln gebracht? Mal unter uns, manchmal hat man schon das Gefühl, dass ein Angreifer gerade ausgeprägte Blutleere im Hirn zu haben scheint. Insbesondere dann, wenn jemand weit über die Stränge schlägt, und den Guten Ton vermissen lässt, drängt sich dieser Gedanke auf. Sie hören dann Vorwürfe, welche die gute Kinderstube des Angreifers vermissen lassen, unter die Gürtellinie gehen oder gar cholerisch vorgetragen werden.

Hier ein paar Beispiele aus dieser Kategorie:

  • »Das ist doch totaler Schwachsinn!«
  • »Du läufst rum wie eine Hure!«
  • »Was halten Sie als Unbeteiligter von Intelligenz?«
  • »Ey, bist Du fett!«
  • »Mann, hast Du Tomaten auf den Augen??? Da steht es doch!«
  • »Alles hirnverbrannter Unsinn«

 

In solchen Fällen hilft Ihnen die folgende Technik, die besonders elegant ist, weil Sie mit ihr gar nicht wirklich auf den Vorwurf eingehen, sondern den sachlichen Kern der Aussage stilvoll neu formulieren. Stellen Sie sich einfach vor, Sie hätten gerade einen intensiven Kurse zum stilsicheren und souveränen Formulieren mit besten Umgangsformen hinter sich. Sie konzentrieren sich nur auf den Sachinhalt der Aussage und formulieren diesen quasi als Service für den Angreifer neu. Sie weichen dem eigentlichen Angriff aus und werden  in den meisten Fällen Ihren Angreifer dazu bringen, wieder sachlich zu argumentieren.

Nehmen wir uns einmal den ersten Vorwurf aus der Liste oben vor:

  • »Das ist doch totaler Schwachsinn!«

Zunächst einmal denken Sie vielleicht: »Das ist so unverschämt, was soll man darauf noch sagen?« und Sie haben recht, die Aussage ist tatsächlich nicht besonders höflich. Denken Sie dabei aber auch daran, dass sich Ihr Gegenüber wahrscheinlich gerade aufregt, emotional geladen ist und daher auch keinen besseren Weg der Formulierung gefunden hat. Sie sind jetzt einfach nur so nett, ihm zu helfen. Dafür müssen wir die Aussage von Ihrer Emotionalität befreien. Was bleibt dann als sachlicher Kern übrig? In diesem Fall sicher, dass der Angreifer entweder anderer Meinung ist als Sie oder ihm nicht gefällt, was Sie sagen. Das nehmen Sie dann in höflich eleganter Formulierung als Konter:

  • »Das ist doch totaler Schwachsinn!« – »Du möchten zum Ausdruck bringen, dass Dir mein Vorschlag nicht gefällt?«

Nach dem gleichen Prinzip können Sie mit allen Vorwürfen verfahren, die den guten Ton vermissen lassen. Unterstellen Sie dem Gesprächspartner dabei erstmal nur beste Absichten:

  • »Du läufst rum wie eine Hure!« – »Du machst Dir also Sorgen um meine Kleidung?«
  • »Was halten Sie als Unbeteiligter von Intelligenz?« – »Sie möchten zum Ausdruck bringen, dass ich etwas nicht bedacht habe, Herr Schenkel?«
  • »Ey, bist Du fett!« – »Du machst Dir also Sorgen um meine Gesundheit.«
  • »Mann, hast Du Tomaten auf den Augen??? Da steht es doch!« – »Du willst also sagen, ich habe etwas übersehen?«
  • »Alles hirnverbrannter Unsinn« – »Sie haben also einen anderen Lösungsvorschlag.«

Wenn der Angriff den guten Ton vermissen lässt, formulieren Sie den Angriff stilvoll neu. Gehen Sie davon aus, dass der Angreifer trotz des emotionalen Ausbruchs beste Absichten verfolgt und bringen Sie höflich die Sachaussage seines Vorwurfs zum Ausdruck.

Hier einige Standardssätze und Formulierungshilfen:

  • »Sie sind also anderer Meinung.«
  • »Ihnen gefällt mein Vorschlag nicht.«
  • »Sie sind besorgt um …«
  • »Sie machen sich Gedanken um …«
  • »Sie sind skeptisch, dass …«

 

Ob ich ein rotes Nachtschattengewächs auf meinen Augen trage? Foto: Andreas Depping / pixelio.de

Ob ich ein rotes Nachtschattengewächs zur Perspektiv-Erweiterung einsetze? Foto: Andreas Depping / pixelio.de

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