Varianten des Uminterpretierens – Kleiner Hinweis für Besserwisser

Es gibt eine ganze Reihe von Varianten des Uminterpretierens.  Einige werde ich Ihnen auch noch zeigen. Eine Variante, die Sie sehr häufig in Ratgebern finden, ist die Aussage »Wenn Sie damit meinen, …« oder »Wenn Sie damit sagen wollen, …«. Auch bei dieser Argumentation bieten Sie Ihrem Gesprächspartner Ihre Interpretation der vorgeworfenen Eigenschaft an.

Vergleichen Sie allerdings mal die beiden Varianten:

Variante 1:

»Du bist hektisch!«
»Wenn hektisch bedeutet, dass ich meine Zeit gut nutzen will und auf Effizienz wert lege, ja dann gebe ich Dir recht, dann bin ich hektisch.«

Variante 2:

»Du bist hektisch!«
»Wenn Du damit sagen willst, dass ich meine Zeit gut nutzen will und auf Effizienz wert lege, ja dann gebe ich Dir recht.«

Sie sehen, dass die erste Variante deutlich stärker ist und weniger Widerspruch ermöglicht. Bei der zweiten Variante (»Wenn Du damit sagen willst, …«) ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher dass ihr gegenüber sagt »Nein, nein, das wollte ich nicht damit sagen«.

Die Formulierung wenn XY bedeutet…, ist sehr viel neutraler gewählt. Rein rhetorisch stellen Sie es so dar, als würden Sie die Wortbedeutung im Lexikon nachschlagen. Mit der Formulierung »Wenn hektisch bedeutet…« sind Sie also deutlich unangreifbarer als mit der Variante »Wenn Sie damit meinen, …«. Diese Formulierung ist eine der stärksten, die ich bisher gefunden habe.

 

Geschicktes Uminterpretieren

Der Angreifer hat uns also ein negatives Attribut zugewiesen. Beim Uminterpretieren schauen wir auf die positiven Eigenschaften, die mit diesem Attribut verknüpft sind. Das ist ein interessantes Phänomen: Fast keine Eigenschaft, die man Ihnen zuweisen kann, hat nur negative Merkmale. Im Moment des Vorwurfes weigert sich der Angreifer allerdings die anderen, positiven Eigenschaften zu sehen. Mit dem Uminterpretieren drehen wir die Medaille einfach um. Wenn der Angreifer nur die negative Seite sehen will, zeigen wir die positive Seite. Damit setzen wir uns wieder ins rechte Licht.

»Jaja, Herr Teufert, aber,« höre ich Sie einwenden, »wenn mein Gesprächspartner nun berechtig auf etwas hinweisen will, ist das dann nicht zu abweisend?« Bitte unterscheiden Sie für diesen Fall konstruktive Kritik von destruktiven Einwürfen.

Diese Technik soll Sie nicht davon abhalten, konstruktive Kritik entgegen zu nehmen und für die eigene Weiterentwicklung zu nutzen. Ob es sich allerdings tatsächlich um konstruktive Kritik handelt, ist von der jeweiligen Situation abhängig. Ihr erstes Kriterium sollte sein, dass konstruktive Kritik unter vier Augen geäußert wird und nicht vor einer Gruppe.

Diese Technik ist besonders hilfreich, wenn Sie vor einer Gruppe angegriffen werden. Typischerweise also in Meetings oder auch in privaten Gesprächen in Gruppen. Wenn Sie in diesen Situationen kritisiert werden, gehen Sie davon aus, dass es sich dabei nicht um konstruktive Kritik handelt. Hier möchte Sie jemand in Ihrem Status herabsetzen oder Ihr Ansehen vor der Gruppe mindern. In solchen Fällen ist es gut, wenn Sie mit dem Uminterpretieren sich selbst wieder in ein gutes Licht setzen.

 

Geschicktes Uminterpretieren:

 Mit den folgenden Konstruktionen haben Sie immer eine schlagkräftige Antwort parat:

  • »Wenn (das negative Attribut) bedeutet, dass (Ihre Positive Auslegung), ja, dann gebe ich Ihnen recht.«
  • »Ja genau, ich … (geben Sie hier die positive Auslegung).«
  • »Gerade weil ich (das negative Attribut) bin, kann ich … «

 

Für welche Version entscheiden Sie sich? Foto: Albrecht E. Arnold / pixelio.de

Für welche Perspektive bzw. Interpretation entscheiden Sie sich? Foto: Albrecht E. Arnold / pixelio.de

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