Wie lieb sind Sie eigentlich? – Manipulation über Hilfsbereitschaft

Es ist Freitag 17 Uhr. Abteilungsleiter Krause kommt in das Büro der neuen Mitarbeiterin Rita Pichler. Mit breitem Lächeln spricht er sie an: »Frau Pichler, wunderbar, dass ich Sie noch treffe. Ich wollte Ihnen schon lange sagen, wie froh ich bin, dass wir Sie jetzt bei uns im Team haben. Ich freue mich besonders über Ihr Engagement für die Firma und Ihre Hilfsbereitschaft. Das ist wirklich eine große Bereicherung für uns.« Frau Pichler ist überrascht und freut sich über das unerwartete Kompliment. »Es gibt da ein paar Aufgaben, bei denen ich Sie etwas mehr ins Vertrauen ziehen möchte.«, spricht Herr Krause weiter, »Ganz aktuell habe ich hier eine Aufgabe, die nur wir beide lösen können.«

Rita fühlt sich geehrt. Der Abteilungsleiter scheint große Stücke auf sie zu halten. Aufmerksam hört sie zu. »Allerdings müsste das auch dringend noch heute erledigt werden, denn wir haben am Montag ganz früh den Termin mit dem Kunden und ich habe leider noch einen dringenden Geschäftstermin, den ich nicht verschieben kann. Würden Sie die Aufgaben übernehmen?« »Ja, klar, natürlich.«, sagt Rita und denkt »Die Verabredung mit Elke muss ich wohl absagen…« Wenig später sitzt Rita über einem Stapel Unterlagen und versucht, sich einen Überblick zu verschaffen…
Um 19 Uhr klingelt das Telefon. Herr Krause ist meldet sich und sagt »Wir haben grade eine kurze Pause. Ich wollte Ihnen nochmal sagen, wie dankbar ich bin, dass Sie das übernommen haben. Werden Sie noch lange brauchen?« »Naja,«, antwortet Rita, »zwei Stunden werden es wohl noch sein…« »Bleiben Sie dran und nochmals vielen Dank.« Herr Krause legt auf und Rita stöhnt leise. Während Sie die Geschäftsunterlagen ausarbeitet, schlägt Herr Krause mit seinem besten Freund Kurt noch ein paar Löcher auf dem Golfplatz und beide lassen den Abend bei einem guten Glas Wein mit Blick auf den Sonnenuntergang ausklingen.

Gemein, nicht wahr? Der angebliche Geschäftstermin war nur eine Runde Golf mit dem besten Freund, für die Frau Pichler Ihre Verabredung hat sausen lassen. Manipulatoren, die unsere Hilfsbereitschaft ausnutzen, kosten uns schnell unsere Lebenszeit und nutzen unsere Gutmütigkeit zu ihrem Vorteil aus. Der Manipulator hat ein leichtes Leben und der Manipulierte die Arbeit.

Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft werden gern ausgenutzt. Überlegen Sie sich daher, wenn Sie einem anderen einen Gefallen tun, ob Sie das wirklich auch selbst wollen und mit welchen Nachteilen das für Sie persönlich verbunden ist. Nichts spricht dagegen, jemandem zu helfen. Wenn Sie aber das Gefühl haben, von jemand anderem systematisch ausgenutzt zu werden, dann sollten Sie sich auf jeden Fall wehren.

Die wichtigste Technik gegen diese Art der Manipulation, ist den Vorschlag des anderen abzulehnen. Das ist relativ leicht gesagt und schwer umgesetzt. Wenn Sie sich ausgenutzt fühlen, sollten Sie daher systematisch üben, die Bitten anderer abzulehnen.

Trauen Sie sich »Nein!« zu sagen, wenn Sie jemand ausnutzen will. Verknüpfen Sie Ihre Ablehnung mit einer ehrlichen Begründung oder mit einem höheren Ziel.

»Die Familie ist mir sehr wichtig. Ich kümmere mich jetzt um die Wäsche und muss dann noch die Kinder von der Schule abholen. Wenn ich diese Aufgaben auch noch übernehme, werde ich das nicht schaffen.«

»Mir geht es darum, alle meine Aufgaben zu erledigen, das ist wichtig für unser Projekt. Wenn ich Deine auch noch übernehme, dann werde ich das nicht schaffen. «
»Ich erstelle noch gerade den Projektplan, wenn ich Deine Arbeit übernehme schaffe es nicht rechtzeitig, den fertig zu stellen.«

 

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Bis hierhin und nicht weiter!
Ralph-Thomas Kühnle  / pixelio.de

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