Der Subtext – Die Aussage hinter der Aussage

Der Subtext beschreibt in der Sprachwissenschaft und im Theater eine zusätzliche Bedeutungsebene, die in einer Aussage (oder Darstellung) mitschwingt, ohne dass diese explizit angesprochen wird. Bei einem Text, der in einem Skript steht und der auf der Bühne gesprochen wird, schwingen viele Einflussfaktoren mit, die nicht direkt zur Sprache kommen. Gefühle, innere Bilder, Erfahrungen, Erwartungen, Wertesysteme – all das hat einen Einfluss darauf, wie ein Satz gemeint sein kann und was in einer bestimmten Handlung mitschwingt. Ein Schauspieler wird diese Zwischentöne oder das Mitgemeinte durch Körpersprache, Gestik, Mimik aber auch durch die Betonung zum Ausdruck bringen. Auch die Gestaltung des Bühnenbilds hat einen Einfluss auf die Stimmung, die ein Zuschauer empfindet.

Regisseure und Schauspieler interpretieren den Text eines Autors und schaffen damit einen Subtext, der unter Umständen von anderen Schauspielern und Regisseuren ganz anders interpretiert werden kann.

Im wahren Leben sind wir unsere eigenen Regisseure. Wir interpretieren ständig Handlungen und Aussagen unserer Mitmenschen und schaffen uns dadurch eigene Subtexte. Dadurch entsteht eine subjektive Wirklichkeit unserer eigenen Interpretation. Ob diese Interpretationen allerdings wirklich mit der Absicht der anderen Menschen übereinstimmen, können wir niemals sicher wissen. Daher ist es gut, sich hin und wieder daran zu erinnern, dass es auch noch weitere Deutungsmöglichkeiten gibt.

Wenn Sie eine Aussage eines Gesprächspartners als verletzend empfinden, ist dies nur eine mögliche Interpretation von vielen. Seien Sie sich dessen bewusst, dass Ihr Gegenüber es auch anders gemeint haben könnte, als Sie die Aussage gerade aufnehmen und interpretieren. Wenn die Situation es zulässt, fragen Sie nach, wie die Aussage gemeint ist. Sie gewinnen mehr Sicherheit. Häufig fällt die Antwort viel milder aus als Sie es erwarten.

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Seien Sie Ihr eigener Regisseur.
Tim Reckmann / www.pixelio.de

 

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